Zürcher Sechseläutenmarsch

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Zürcher Sechseläutenmarsch (meist kurz Sechseläutenmarsch) ist ein traditioneller Marsch, der eng mit dem Sechseläuten in Zürich verbunden ist. Seine markante Melodie gehört zu den bekanntesten musikalischen Symbolen des Zürcher Frühlingsfestes. Der Marsch wird von den Zunftmusiken während des Umzugs und bei weiteren Anlässen der Zürcher Zünfte gespielt und gilt gelegentlich als «heimliche Hymne» Zürichs.[1]

Zürcher Sechseläutenmarsch
Gattung Marsch
Bekannt als Sechseläutenmarsch
Komponist unbekannt
Herkunft nicht abschliessend geklärt
In Zürich verbreitet seit etwa 1870
Anlass Sechseläuten
Ort Zürich

Geschichte

Ursprung

Der genaue Ursprung des Zürcher Sechseläutenmarsches ist nicht abschliessend geklärt. Die heute in Zürich bekannte Melodie war bereits ausserhalb der Schweiz verbreitet, bevor sie im 19. Jahrhundert mit dem Sechseläuten verbunden wurde.

In verschiedenen Darstellungen werden mehrere mögliche musikalische Traditionslinien genannt. Melodische Ähnlichkeiten bestehen zu Militärmärschen aus der Zeit des französischen Königs Ludwig XIV. Gelegentlich wurde deshalb auch der französische Komponist Jean-Baptiste Lully mit der Melodie in Verbindung gebracht. Insbesondere werden Ähnlichkeiten mit dem «Marche des mousquetaires» erwähnt.[2]

Eine andere, in der Geschichte des Marsches wichtige Traditionslinie führt nach Russland. Dort soll die Melodie als Marsch der Fusstruppen zur Zeit des russischen Feldherrn Alexander Wassiljewitsch Suworow bekannt gewesen sein. Während der Koalitionskriege am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen die Militärtraditionen verschiedener europäischer Armeen miteinander in Kontakt.[1]

Teile der Melodie weisen zudem Ähnlichkeiten mit dem englischen Marsch «The Coldstreamer» auf. In Preussen wurde eine verwandte Form als «Marsch der freiwilligen Jäger» beziehungsweise «Marsch der freiwilligen Jäger aus den Befreiungskriegen 1813–1815» bekannt.[2]

Aufgrund dieser verschiedenen Überlieferungen lässt sich der Marsch keinem einzelnen Komponisten mit Sicherheit zuschreiben.

Weg nach Zürich

Die Verbindung der Melodie mit Zürich entstand wahrscheinlich um 1870. Zu dieser Zeit beteiligten sich unter anderem die Konstanzer Regimentsmusik und die Colmarer Dragonermusik musikalisch am Zürcher Sechseläuten. Zu ihrem Repertoire gehörte auch der später in Zürich als Sechseläutenmarsch bekannte Marsch.[1]

Der Dirigent Robert Krauer von der Metallharmonie Zürich-Wiedikon, die damals als Zunftspiel der Zunft zum Widder auftrat, gelangte in den Besitz der Noten. Die Melodie fand bei den Zürcher Zünften Anklang und wurde anschliessend von weiteren Zunftmusiken übernommen.[1]

Damit wandelte sich ein ursprünglich ausländischer Militärmarsch im Verlauf der Zeit zu einem festen Bestandteil der Zürcher Festkultur. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war die Melodie eng mit dem Sechseläuten verbunden.

Bedeutung am Sechseläuten

Hauptartikel: Sechseläuten

Das Sechseläuten ist eines der bekanntesten traditionellen Feste der Stadt Zürich. Im Mittelpunkt stehen der Zug der Zürcher Zünfte durch die Innenstadt und die anschliessende Verbrennung des Böögg auf dem Sechseläutenplatz.

Musik ist ein wesentlicher Bestandteil des Zunftumzugs. Die Gesellschaft zur Constaffel und die Zürcher Zünfte werden von Musikkorps begleitet, die häufig in historischen Kostümen auftreten. Diese sogenannten Zunftspiele begleiten die Zünfter sowohl während des Umzugs als auch bei den abendlichen Zunftbesuchen.

Der Sechseläutenmarsch gehört zum traditionellen Repertoire dieser Formationen. Nach Angaben des Zentralkomitees der Zünfte Zürichs gehört der Marsch zum Repertoire jeder Sechseläuten-Musik.[1]

Durch seine häufige Wiederholung während des Festes wird die Melodie für Besucher besonders stark mit dem Sechseläuten verbunden. Sie ist deshalb weit über den Kreis der Zünfter hinaus bekannt.

Musikalischer Charakter

Der Sechseläutenmarsch ist ein schwungvoller, deutlich rhythmisch geprägter Marsch. Seine leicht erkennbare Hauptmelodie eignet sich besonders für Blasmusik und für die Begleitung eines Umzugs.

Traditionell wird das Stück vor allem von Blasmusikformationen gespielt. Dabei kommen unter anderem Blechblasinstrumente, Holzblasinstrumente und Schlagwerk zum Einsatz. Je nach Formation und Arrangement können Besetzung und musikalische Ausgestaltung variieren.

Die charakteristische Melodieführung und der regelmässige Marschrhythmus tragen dazu bei, dass das Stück auch in einer lauten Umgebung während eines grossen Strassenumzugs unmittelbar wiedererkennbar bleibt.

Zürcher Identität

Obwohl die musikalischen Wurzeln des Marsches ausserhalb Zürichs liegen, entwickelte sich das Stück über mehr als ein Jahrhundert zu einem Bestandteil der städtischen Tradition. Das Zentralkomitee der Zünfte Zürichs bezeichnet den Marsch als «heimliche Hymne» des Zürchers.[1]

Die Entwicklung zeigt, wie eine ursprünglich internationale beziehungsweise militärische Melodie durch lokale Tradition eine neue Bedeutung erhalten kann. Heute wird der Marsch weniger mit seinen möglichen militärhistorischen Ursprüngen als mit Zünften, Frühlingsbeginn, dem Böögg und dem jährlichen Sechseläuten verbunden.

Besonders während des Zugs der Zünfte durch die Bahnhofstrasse, die Zürcher Innenstadt und das Limmatquai gehört die Melodie zur typischen Klangkulisse des Festes.

Verbreitung ausserhalb Zürichs

Die Melodie des Zürcher Sechseläutenmarsches ist nicht ausschliesslich in der Schweiz bekannt. Verschiedene Varianten oder musikalisch eng verwandte Fassungen gehören auch zur deutschen und russischen Militärmusiktradition.

In Deutschland ist die Melodie unter anderem als «Alter Jägermarsch» oder «Marsch der freiwilligen Jäger» bekannt. Ihre Geschichte reicht damit deutlich weiter zurück als ihre Verwendung beim Zürcher Sechseläuten.

Gerade diese internationale Vorgeschichte macht den Sechseläutenmarsch zu einem Beispiel dafür, wie Melodien über Landesgrenzen hinweg übernommen, verändert und mit neuen kulturellen Bedeutungen verbunden werden können.

Rezeption und Aufnahmen

Der Sechseläutenmarsch wurde von verschiedenen Schweizer Musikformationen eingespielt. Zu den bekannten Aufnahmen gehört eine Interpretation der Stadtmusik Zürich. Das Stück ist auch auf Sammlungen mit traditionellen Schweizer Märschen vertreten.

Neben professionellen und vereinsmusikalischen Aufnahmen ist der Marsch vor allem durch seine regelmässige Aufführung im öffentlichen Raum präsent. Während des Sechseläutens hören ihn jedes Jahr zahlreiche Zuschauer entlang der Umzugsroute.

Der hohe Wiedererkennungswert der Melodie trägt dazu bei, dass sie auch ausserhalb des eigentlichen Festes unmittelbar mit Zürich und dem Sechseläuten assoziiert wird.

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Sprecher (Hrsg.): Geschichte der Zunft zur Schiffleuten von Zürich. Band 1 und 2, Zürich 2017, ISBN 978-3-033-06317-4, insbesondere Band 2, S. 442–445.

Einzelnachweise