Kongresshaus Zürich
| Kongresshaus Zürich | |
|---|---|
| Gebäudetyp | Kongress- und Veranstaltungszentrum |
| Ort | Zürich, Quartier Enge |
| Adresse | Gotthardstrasse 5 8002 Zürich |
| Bauzeit | 1937–1939 |
| Eröffnung | 1939 |
| Architekten | Max Ernst Haefeli, Werner Max Moser und Rudolf Steiger |
| Vorgängerbau | Tonhalle von Fellner & Helmer, eröffnet 1895 |
| Instandsetzung | 2017–2021 |
| Architekten der Instandsetzung | Arbeitsgemeinschaft Boesch Diener |
| Eigentümerin | Kongresshaus-Stiftung Zürich |
| Betreiberin | Kongresshaus Zürich AG |
| Veranstaltungsfläche | über 5300 m² |
| Räume | mehr als 20 |
| Maximale Gesamtbelegung | bis zu 4500 Personen |
| Schutzstatus | Kulturgut von nationaler Bedeutung |
| Website | kongresshaus.ch |
Das Kongresshaus Zürich ist ein Kongress- und Veranstaltungszentrum im Quartier Enge der Stadt Zürich. Es liegt am unteren Zürichsee zwischen General-Guisan-Quai, Claridenstrasse, Beethovenstrasse und Gotthardstrasse. Gemeinsam mit der Tonhalle Zürich bildet es einen zusammenhängenden Gebäudekomplex, in dem Kongresse, Tagungen, Ausstellungen, Konzerte, Firmenveranstaltungen, Generalversammlungen, Galas und gesellschaftliche Anlässe durchgeführt werden.
Das heutige Ensemble entstand von 1937 bis 1939 nach Plänen der Zürcher Architekten Max Ernst Haefeli, Werner Max Moser und Rudolf Steiger. Sie integrierten den Grossen und den Kleinen Tonhallesaal sowie weitere Teile des 1895 eröffneten Vorgängerbaus in einen modernen Neubau. Das Kongresshaus gilt deshalb als bedeutendes Beispiel für das architektonische Prinzip des Weiterbauens an einem bestehenden Gebäude.[1]
Von 2017 bis 2021 wurden Kongresshaus und Tonhalle umfassend instand gesetzt, restauriert und betrieblich neu organisiert. Die denkmalgeschützte Architektur der 1890er- und 1930er-Jahre wurde dabei mit moderner Veranstaltungs-, Bühnen-, Sicherheits- und Gebäudetechnik verbunden. Seit der Wiedereröffnung im September 2021 verfügt das Kongresshaus über mehr als 5300 Quadratmeter Veranstaltungsfläche in über 20 Räumen. Unter Einbezug der Tonhallesäle sind Veranstaltungen mit bis zu 4500 Teilnehmenden möglich.[2]
Lage
Das Kongresshaus befindet sich am westlichen Rand des unteren Zürichseebeckens. Der Gebäudekomplex liegt unmittelbar hinter dem General-Guisan-Quai und der dortigen Seeanlage. Von den seeseitigen Räumen und Terrassen reicht der Blick über den Zürichsee bis zu den Voralpen und Alpen.
Die Hauptadresse der Kongresshaus Zürich AG lautet Gotthardstrasse 5. Der für viele Veranstaltungen benutzte Eingang zum Kongresshaus befindet sich an der Claridenstrasse 5. Die Tonhalle besitzt eigene Zugänge innerhalb desselben Gebäudekomplexes.
In der Umgebung liegen der Bürkliplatz, der Arboretum-Park, die Hafenanlage Enge, der Mythenquai und der Bahnhof Zürich Enge. Die Innenstadt, die Bahnhofstrasse und die Altstadt sind zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar.
Die Lage am See ist ein wesentlicher Bestandteil der Architektur. Die Aufenthaltsräume, Foyers, Gartensäle und Terrassen wurden bewusst auf den See und das Alpenpanorama ausgerichtet. Der Komplex bildet zugleich einen Übergang zwischen dem dicht bebauten Quartier Enge und den öffentlichen Grünanlagen am Ufer.
Vorgeschichte
Zürcher Tonhalle des 19. Jahrhunderts
Die Geschichte des Standorts begann mit der Zürcher Tonhalle des späten 19. Jahrhunderts. Die Tonhalle-Gesellschaft benötigte für ihre Konzerte und gesellschaftlichen Veranstaltungen ein repräsentatives Gebäude. Am See entstand deshalb von 1893 bis 1895 eine grosse Konzert- und Gesellschaftsanlage nach Plänen des Wiener Architekturbüros Fellner & Helmer.
Ferdinand Fellner der Jüngere und Hermann Helmer gehörten zu den bekanntesten Theaterarchitekten ihrer Zeit. Ihr Büro plante zahlreiche Opernhäuser, Theater und Konzertsäle in Mittel- und Osteuropa. Die Zürcher Tonhalle wurde in einem repräsentativen historistischen Stil gestaltet.
Der Bau besass neben dem Grossen und dem Kleinen Tonhallesaal Gesellschaftsräume, ein Vestibül, Restaurationsbereiche und eine dem See zugewandte Gartenanlage. Wegen seines Unterhaltungs- und Restaurationsbetriebs wurde das Gebäude im Volksmund teilweise als «Trocadero» bezeichnet.[3]
Die Konzertsäle zeichneten sich durch eine als besonders gut beurteilte Akustik aus. Gleichzeitig entsprach die räumliche Organisation des Gebäudes nach einigen Jahrzehnten nicht mehr vollständig den Anforderungen einer wachsenden Stadt und des aufkommenden Kongresstourismus.
Pläne für ein Kongresshaus
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in Zürich über den Bau eines eigentlichen Kongresshauses diskutiert. Die Stadt wollte sich stärker als Austragungsort nationaler und internationaler Tagungen positionieren. Konkreter wurden die Pläne im Zusammenhang mit der Schweizerischen Landesausstellung von 1939.
Als Standort wurde das Grundstück der bestehenden Tonhalle am See gewählt. Damit konnten die bekannten Konzertsäle weiterhin genutzt und mit neuen Versammlungs-, Ausstellungs- und Restaurationsräumen verbunden werden.
Für die Planung wurden die Zürcher Architekten Max Ernst Haefeli, Werner Max Moser und Rudolf Steiger beauftragt. Sie arbeiteten unter der Bezeichnung Haefeli Moser Steiger und gehörten zu den prägenden Vertretern der modernen Schweizer Architektur.
Bau von 1937 bis 1939
Teilweiser Abbruch der alten Tonhalle
Vor Beginn der Bauarbeiten wurde untersucht, welche Teile der alten Tonhalle erhalten werden sollten. Aus architektonischen, akustischen und finanziellen Gründen entschied man sich, den Grossen und den Kleinen Tonhallesaal sowie das Vestibül und die Vorhalle zu bewahren.
Die übrigen Teile des Gebäudes wurden 1937 abgebrochen. Dazu gehörten wesentliche Bereiche der Restaurations- und Gesellschaftsanlage. Die erhaltenen historischen Räume wurden anschliessend in den wesentlich grösseren Neubau eingebunden.[1]
Die Architekten behandelten die ältere Tonhalle nicht als isoliertes Denkmal innerhalb eines Neubaus. Stattdessen legten sie eine neue räumliche und konstruktive Ordnung über den Bestand. Historische und moderne Gebäudeteile wurden funktional miteinander verflochten.
Eröffnung zur Landesausstellung
Der neue Komplex wurde 1939 eingeweiht und stand während der Schweizerischen Landesausstellung zur Verfügung. Die als «Landi 39» bekannte Ausstellung fand auf beiden Seiten des Zürichsees statt und präsentierte Wirtschaft, Kultur, Technik, Landwirtschaft und gesellschaftliches Leben der Schweiz.
Das Kongresshaus bot Räume für Versammlungen, Empfänge, Konzerte und offizielle Veranstaltungen. Seine Lage am See verband es räumlich mit dem Ausstellungsgelände und den Schiffsverbindungen zwischen den beiden Ufern.
Mit der Eröffnung erhielt Zürich erstmals ein grosses, dauerhaftes Kongresszentrum. Zugleich blieben die wichtigsten Konzertsäle der alten Tonhalle erhalten.
Architektur
Moderne und historischer Bestand
Das Kongresshaus gehört zu den wichtigen öffentlichen Bauten der Schweizer Moderne. Charakteristisch sind die klar gegliederten Baukörper, die flachen Dächer, die grossen Fensterflächen und die Verbindung von Innen- und Aussenräumen.
Dem stehen die reich ausgestatteten historischen Räume der Tonhalle gegenüber. Der Grosse Tonhallesaal besitzt eine festliche Dekoration des späten 19. Jahrhunderts, während die Kongressräume überwiegend durch Holz, Naturstein, Glas und eine sachlichere Formensprache geprägt sind.
Der Übergang zwischen den beiden Epochen ist nicht als scharfe Trennung ausgebildet. Foyers, Treppen, Galerien und Verbindungsgänge vermitteln zwischen Alt- und Neubau. Dieses Zusammenspiel gilt als eine der wesentlichen architektonischen Qualitäten des Ensembles.
Bezug zum Zürichsee
Haefeli, Moser und Steiger richteten die wichtigsten Aufenthaltsbereiche auf den See aus. Grosse Fenster, Terrassen und Gartenräume sollten den Blick ins Freie ermöglichen und die Uferlandschaft in die Architektur einbeziehen.
Der Gartensaaltrakt öffnet sich mit raumhohen Fenstern zum Garten und zum See. Die oberen Foyers und die Terrasse ermöglichen Ausblicke auf Wasser und Berge. Der See ist damit nicht nur Umgebung, sondern ein gestalterischer Bestandteil des Gebäudes.
Die horizontale Gliederung der Fassaden unterstreicht die Ausrichtung entlang des Ufers. Oberhalb des Gebäudes ist der weithin sichtbare Schriftzug «Kongresshaus Tonhalle» angebracht.
Innenräume
Die Kongressräume wurden als flexibel nutzbare Säle konzipiert. Bewegliche Trennwände, unterschiedliche Bestuhlungsformen und miteinander verbundene Foyers ermöglichen verschieden grosse Veranstaltungen.
Besondere Aufmerksamkeit erhielten Treppenhäuser, Geländer, Leuchten, Parkettböden und Wandverkleidungen. Viele dieser Elemente wurden eigens für das Gebäude entworfen und bilden ein gestalterisch zusammenhängendes Ensemble.
Die offene Raumfolge sollte nicht nur eine grosse Zahl von Personen aufnehmen, sondern auch Begegnungen während Pausen und Empfängen fördern. Die Foyers sind deshalb ein wesentlicher Bestandteil des Nutzungskonzepts.
Veränderungen nach 1939
Seit der Eröffnung wurde das Gebäude wiederholt umgebaut. Technische Anlagen mussten erneuert, zusätzliche Veranstaltungsflächen geschaffen und betriebliche Abläufe angepasst werden.
Viele Eingriffe dienten jeweils der Optimierung einzelner Nutzungsbereiche. Dadurch gingen jedoch Teile der ursprünglichen räumlichen Klarheit verloren. Fenster wurden verstellt, Verbindungen verändert und Zwischenbauten ergänzt. Die Stadt Zürich stellte später fest, dass die ursprünglich lichte und festliche Atmosphäre des Gebäudes durch die zahlreichen Einbauten beeinträchtigt worden war.[4]
In den 1970er- und 1980er-Jahren fanden umfangreiche Renovations- und Umbauarbeiten statt. 1985 wurde auf der Seeseite der sogenannte Panoramasaal erstellt. Er bot zwar zusätzliche Fläche und Aussicht, veränderte jedoch die ursprüngliche Architektur und verdeckte teilweise die Beziehungen zwischen den Foyers, dem See und der Terrasse.
Im selben Jahr wurde der Kongressbetrieb auf die neu gegründete Betriebsgesellschaft Kongresshaus Zürich AG übertragen. Die damalige Kongresshaus-Stiftung blieb Eigentümerin des Gebäudes.[5]
Planungen für ein neues Kongresszentrum
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde diskutiert, ob das bestehende Kongresshaus für grosse internationale Kongresse noch ausreichend sei. Insbesondere die beschränkte zusammenhängende Fläche und die komplexe Gebäudestruktur galten als Nachteile.
Die Stadt plante deshalb zeitweise ein neues, grösseres Kongresszentrum nach einem Entwurf des spanischen Architekten Rafael Moneo. Im Jahr 2008 lehnten die Stadtzürcher Stimmberechtigten jedoch den für das Projekt erforderlichen Landkauf ab.[4]
Anschliessend wurden weitere Standorte und Lösungen untersucht. Gleichzeitig verschlechterte sich der bauliche Zustand des bestehenden Ensembles. Besonders bei Gebäudetechnik, Brandschutz, Fluchtwegen, Erdbebensicherheit und Barrierefreiheit bestand dringender Handlungsbedarf.
Eine Untersuchung ergab, dass Kongresshaus und Tonhalle hinsichtlich Tragwerk, Haustechnik und Brandschutz so eng miteinander verbunden waren, dass eine getrennte oder nur vorübergehende Sanierung nicht zweckmässig gewesen wäre. Die Stadt entschied sich deshalb für eine umfassende Instandsetzung des gesamten Komplexes.
Neue Trägerschaft
Die frühere privatrechtliche Kongresshaus-Stiftung verfügte nicht über ausreichende Mittel, um die umfangreiche Erneuerung zu finanzieren. Die Stadt Zürich entwickelte deshalb eine neue Eigentums- und Trägerstruktur.
Am 5. Juni 2016 stimmten die Stadtzürcher Stimmberechtigten der Finanzierung der Instandsetzung und der Errichtung einer neuen öffentlich-rechtlichen Kongresshaus-Stiftung Zürich zu. Die bestehende privatrechtliche Stiftung übertrug ihr Vermögen und das Gebäude auf die neue Organisation.[5]
Die Kongresshaus-Stiftung Zürich ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit. Ihr Zweck ist die Bereitstellung und der Betrieb eines Kongress- und Konzertgebäudes am General-Guisan-Quai. Die Stiftung verfolgt keine Gewinnabsicht und steht unter der Aufsicht der Stadt Zürich.[6]
Die Stadt ist Eigentümerin des Grundstücks. Der darauf stehende Gebäudekomplex gehört der Kongresshaus-Stiftung. Die Kongressräume werden von der Kongresshaus Zürich AG betrieben, während die Tonhalle-Gesellschaft Zürich AG die für den Musikbetrieb bestimmten Säle und Nebenräume nutzt.
Instandsetzung von 2017 bis 2021
Planung und Bauarbeiten
Die Arbeiten begannen im Sommer 2017. Für die architektonische Planung war die Arbeitsgemeinschaft Boesch Diener verantwortlich. Sie bestand aus Elisabeth und Martin Boesch Architekten aus Zürich sowie Diener & Diener Architekten aus Basel.
Das Ziel bestand nicht darin, das Erscheinungsbild vollständig auf einen einzigen historischen Zustand zurückzuführen. Vielmehr sollten die Qualitäten der verschiedenen Bauphasen erhalten, spätere Beeinträchtigungen entfernt und die Anlage für einen langfristigen Betrieb ertüchtigt werden.
Die gesamte Gebäude-, Gastro- und Bühneninfrastruktur wurde erneuert. Hinzu kamen Massnahmen für Brandschutz, Statik, Erdbebensicherheit, Fluchtwege, Akustik, Barrierefreiheit und Energieversorgung.[7]
Die historischen Säle der Tonhalle wurden restauriert. Gleichzeitig wurden die Kongressräume technisch modernisiert und für eine flexiblere Nutzung eingerichtet.
Rückbau des Panoramasaals
Der markanteste äussere Eingriff war der Abbruch des 1985 erbauten Panoramasaals. Dadurch konnten die ursprünglichen Sicht- und Raumbeziehungen zwischen Kongresssaal, Konzertfoyer, Terrasse und See wiederhergestellt werden.
An seiner Stelle entstand im ersten Obergeschoss ein öffentlich zugängliches Restaurant mit Bar und grosser Terrasse. Die Räume erhielten wieder direkten Bezug zum Zürichsee und zum Alpenpanorama.[1]
Das Restaurant wird unter dem Namen LUX Restaurant & Bar geführt. Es ist nicht nur für Teilnehmende von Veranstaltungen und Konzertgäste bestimmt, sondern auch für die übrige Bevölkerung zugänglich.
Wiederherstellung der Raumwirkung
Zahlreiche nachträgliche Einbauten wurden entfernt. Die Architekten legten frühere Sichtachsen frei, ordneten die Erschliessung neu und stellten die Verbindung der Foyers mit dem Aussenraum wieder her.
Historische Oberflächen, Parkettböden, Türen, Geländer, Leuchten und Wandverkleidungen wurden restauriert oder nach erhaltenen Vorbildern rekonstruiert. Neue Bauteile wurden so gestaltet, dass sie als zeitgenössische Ergänzungen erkennbar bleiben, ohne die bestehende Architektur zu verdrängen.
Der Gartensaaltrakt wurde erweitert und stärker für Ausstellungen, Bankette und grössere zusammenhängende Veranstaltungen eingerichtet. Eine neue Grossküche ermöglicht die gastronomische Versorgung mehrerer gleichzeitig stattfindender Anlässe.
Wiedereröffnung
Die Bauarbeiten wurden im Frühjahr 2021 abgeschlossen. Ursprünglich war die gemeinsame Eröffnung für März 2021 vorgesehen. Wegen der COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen Unsicherheiten wurde sie auf September 2021 verschoben.[8]
Im September 2021 wurden Kongresshaus und Tonhalle wieder für das Publikum geöffnet. Die Wiedereröffnung fiel jedoch in eine Zeit, in der Veranstaltungen weiterhin durch pandemiebedingte Einschränkungen belastet waren.
Räume und Kapazitäten
Das Kongresshaus verfügt über mehr als 20 Veranstaltungsräume mit insgesamt über 5300 Quadratmetern Fläche. Die historischen Tonhalleräume umfassen zusätzlich mehr als 2000 Quadratmeter. Bei einer Nutzung des gesamten Ensembles sind Veranstaltungen mit bis zu 4500 Personen möglich.[2]
Kongresssaal
Der Kongresssaal ist der grösste eigentliche Kongressraum des Gebäudes. Seine Fläche beträgt 865 Quadratmeter. In Theaterbestuhlung stehen auf der Hauptebene bis zu 1125 Plätze zur Verfügung. Die Galerie besitzt eine zusätzliche Fläche von 360 Quadratmetern und kann bis zu 540 Personen aufnehmen.
Der Saal verfügt über eine Bühne, moderne Veranstaltungstechnik und variable Bestuhlung. Er wird für Kongresse, Vorträge, Generalversammlungen, Konzerte, Preisverleihungen und Unterhaltungsveranstaltungen genutzt.
Das angrenzende Kongressfoyer umfasst rund 550 Quadratmeter. Es dient als Empfangs-, Pausen-, Ausstellungs- und Bankettfläche und besitzt seit dem Umbau wieder einen stärkeren Bezug zur Seeterrasse.
Gartensaaltrakt
Der Gartensaaltrakt besteht aus den Gartensälen 1 und 2 sowie dem Gartensaalfoyer. Bewegliche Trennwände erlauben eine Nutzung als Einzelräume oder als zusammenhängende Fläche von bis zu etwa 1350 Quadratmetern.
Der Gartensaal 1 kann in drei Bereiche unterteilt werden. Er besitzt direkten Zugang zum Garten und raumhohe Fenster mit Blick auf den See. Der Gartensaal 2 eignet sich für Vorträge, Bankette und Ausstellungen.[9]
Seezimmer und Vortragssäle
Die Seezimmer sind kleinere, flexibel kombinierbare Räume für Sitzungen, Seminare, Workshops und private Veranstaltungen. Mehrere Zimmer können durch bewegliche Trennwände zusammengelegt werden.
Die Vortragssäle 1 und 2 bieten Platz für kleinere und mittlere Fachveranstaltungen. Ergänzt werden sie durch ein gemeinsames Foyer, das für Empfänge und Pausen genutzt werden kann.
Tonhallesäle
Die Grosse und die Kleine Tonhalle gehören architektonisch zum selben Komplex. Hauptnutzerin ist die Tonhalle-Gesellschaft Zürich mit dem Tonhalle-Orchester Zürich.
Die Grosse Tonhalle besitzt auf der Hauptebene 816 und auf Galerie beziehungsweise Balkon weitere 614 ausgewiesene Plätze. Die Kleine Tonhalle kann je nach Nutzung auf Hauptebene und Galerie mehrere hundert Personen aufnehmen.[2]
Ausserhalb der eigenen Konzertbelegung können die Säle nach Absprache auch für Kongresse, Festveranstaltungen und andere kulturelle Anlässe genutzt werden.
Weitere Räume
Zum Raumangebot gehören ausserdem das Kongressvestibül, das Tonhalle-Vestibül, das Konzertfoyer, der Vereinssaal, eine Lounge, ein Boardroom, Restauranträume und die grosse Seeterrasse.
Die Kombination unterschiedlich grosser Räume ermöglicht mehrere parallele Veranstaltungen. Foyers und Vestibüle können als Ausstellungs-, Empfangs- und Cateringflächen eingesetzt werden.
Nutzung
Das Kongresshaus wird für nationale und internationale Kongresse, Tagungen, Seminare und Fachveranstaltungen genutzt. Hinzu kommen Firmenanlässe, Generalversammlungen, Produktpräsentationen, Messen, Ausstellungen und politische Veranstaltungen.
Kulturelle Nutzungen umfassen Konzerte, Musicals, Tanzveranstaltungen, Filmvorführungen, Comedy, Preisverleihungen und gesellschaftliche Feiern. Private Anlässe wie Hochzeiten und Bankette gehören ebenfalls zum Angebot.
Die Verbindung mit der Tonhalle erlaubt eine Kombination von Kongress- und Konzertbetrieb. Bei grossen Anlässen können Kongressräume, Tonhallesäle, Foyers und gastronomische Bereiche gemeinsam genutzt werden.
Das Kongresshaus ist wegen seiner zentralen Lage auch für Veranstaltungen von Bedeutung, die einen direkten Bezug zum Zürcher Wirtschafts-, Finanz-, Wissenschafts- oder Kulturstandort besitzen.
Organisation und Betrieb
Kongresshaus-Stiftung Zürich
Die öffentlich-rechtliche Kongresshaus-Stiftung Zürich ist Eigentümerin des Gebäudekomplexes. Sie wurde 2016 von der Stadt Zürich als Alleinstifterin gegründet.
Die Stiftung stellt das Gebäude für Kongresse und Konzerte zur Verfügung, sorgt für dessen langfristigen Erhalt und vermietet die verschiedenen Bereiche an die Betriebsgesellschaften. Sie bewirtschaftet die Liegenschaft möglichst kostendeckend und erhält einen Betriebsbeitrag der Stadt.[6]
Der Stiftungsrat besteht aus fünf Mitgliedern, die vom Stadtrat gewählt werden. Die Tonhalle-Gesellschaft besitzt das Recht, zwei Mitglieder vorzuschlagen.
Kongresshaus Zürich AG
Die Kongresshaus Zürich AG, englisch Zurich Convention Center Ltd., betreibt die Kongressräume und das LUX Restaurant & Bar. Sie wurde 1985 als Betriebsgesellschaft gegründet.
Das Unternehmen verfügt über ein Aktienkapital von 5 Millionen Franken. Ende 2025 waren 927 Aktionärinnen und Aktionäre verzeichnet. Die Aktien sind nicht an einer Börse kotiert und werden nur ausserbörslich gehandelt.[10]
Verwaltungsratspräsident ist Andreas Bürge. Als Direktor und Chief Executive Officer leitet Michel Loris-Melikoff den operativen Betrieb.[10]
Beteiligung der Stadt Zürich
Die Stadt Zürich beteiligte sich bereits seit der Gründung an der Betriebsgesellschaft. Im Zuge der finanziellen Sanierung von 2022 erhöhte sie ihren Anteil erheblich.
Nach einem Kapitalschnitt und einer anschliessenden Kapitalerhöhung hielt die Stadt 40'829 von insgesamt 50'000 Aktien. Dies entsprach einer Beteiligung von 81,7 Prozent. Die Stadt wurde damit Mehrheitsaktionärin der Kongresshaus Zürich AG.[11]
Die Stadt verfolgt mit ihrer Beteiligung wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und touristische Ziele. Das Unternehmen soll gleichzeitig nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt werden und seine Eigenwirtschaftlichkeit möglichst sichern.
Finanzielle Folgen der Pandemie
Die Kongresshaus Zürich AG konnte nach einer rund vierjährigen Schliessung erst im September 2021 wieder den Betrieb aufnehmen. Zu diesem Zeitpunkt waren grosse Veranstaltungen wegen der COVID-19-Pandemie weiterhin eingeschränkt.
Die ausgefallenen und verschobenen Veranstaltungen führten zu erheblichen Einnahmeverlusten. Im März 2022 gewährte die Stadt der Betriebsgesellschaft ein nachrangiges, verzinsliches Darlehen von 1,9 Millionen Franken, um eine unmittelbar drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden.[12]
Später wurde das Unternehmen durch eine Kapitalerhöhung, eine Entschuldung und eine Anpassung des Mietmodells stabilisiert. Gleichzeitig wurden die Flächen und betrieblichen Verantwortlichkeiten von Kongresshaus, Stiftung und Tonhalle-Gesellschaft klarer voneinander getrennt.
Im Mai 2026 beantragte der Stadtrat dem Gemeinderat, die befristete Erhöhung des jährlichen Betriebsbeitrags an die Kongresshaus-Stiftung von Juni 2028 bis Mai 2033 zu verlängern. Der Stadtrat begründete dies mit der langfristigen Sicherung des Betriebs und der wirtschaftlichen Erholung der Kongresshaus Zürich AG.[13]
Denkmalschutz
Das Ensemble aus Kongresshaus und Tonhalle ist im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingetragen.[14]
Der Schutzwert beruht auf mehreren Bauphasen. Die Tonhallesäle dokumentieren die repräsentative Konzertarchitektur des späten 19. Jahrhunderts. Das Kongresshaus ist ein bedeutendes Werk der Schweizer Moderne und ein wichtiges Beispiel für den Umgang mit historischer Bausubstanz.
Die Instandsetzung von 2017 bis 2021 wurde deshalb eng von der kantonalen Denkmalpflege begleitet. Neue technische Anlagen und betriebliche Anforderungen mussten mit dem Erhalt von Raumfolgen, Materialien, Oberflächen und historischen Bauteilen vereinbart werden.
Als besonders wertvoll gelten die Verbindung von Alt- und Neubau, die Ausrichtung der Aufenthaltsräume auf den See sowie die fliessenden Übergänge zwischen Innen- und Aussenraum.
Energie und Nachhaltigkeit
Das Kongresshaus nutzt den nahe gelegenen Zürichsee zur Wärme- und Kälteversorgung. Unterirdische Leitungen führen Seewasser zu einer technischen Zentrale im Untergeschoss. Eine Wärmepumpe entzieht dem Wasser Energie für die Beheizung des Gebäudes. Im Sommer wird das System zur Kühlung eingesetzt.
Das Wasser fliesst anschliessend wieder in den See zurück. Nach Angaben der Betreiberin wird ein grosser Teil der Wärmeregulierung des Gebäudes durch dieses System gedeckt.[15]
Die Kongresshaus Zürich AG verfolgt ausserdem ein Cateringkonzept mit regionalen und saisonalen Produkten sowie vegetarischen und veganen Angeboten. Organische Abfälle können zur Biogasgewinnung verwendet werden.
Die Betreiberin ist am Nachhaltigkeitsprogramm Swisstainable beteiligt und bezeichnet ihren Veranstaltungsbetrieb aufgrund von Reduktions- und Kompensationsmassnahmen als klimaneutral.[15]
Barrierefreiheit
Bei der Instandsetzung wurden die Zugänglichkeit und die Fluchtwege umfassend verbessert. Sämtliche öffentlichen Veranstaltungsräume können nach Angaben der Betreiberin mit dem Rollstuhl erreicht werden.
In verschiedenen Sälen stehen Rollstuhlplätze zur Verfügung. Induktive Höranlagen erleichtern schwerhörigen Personen den Zugang zu Musik und Vorträgen. Blindenführhunde dürfen Gäste auch während Veranstaltungen begleiten.[2]
Aufzüge verbinden die verschiedenen Ebenen. Die barrierefreien Wege und Zugänge werden in digitalen Informationssystemen dokumentiert.
Verkehrsanbindung
Das Kongresshaus ist mit Tram, Bus, Bahn und Schiff erreichbar. In der Umgebung befinden sich mehrere Haltestellen des öffentlichen Verkehrs sowie der Bahnhof Zürich Enge.
Vom Bürkliplatz und von der Innenstadt führen Fusswege entlang des Sees oder durch das Quartier Enge zum Gebäude. Auch die Bahnhöfe Zürich Stadelhofen und Zürich Hauptbahnhof sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden.
Wegen der zentralen Lage und des begrenzten Parkplatzangebots empfiehlt die Betreiberin die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Für Velos stehen Abstellmöglichkeiten in der Umgebung zur Verfügung.
Bedeutung für Zürich
Das Kongresshaus verbindet die Funktionen eines Wirtschaftsbauwerks, Kulturzentrums und gesellschaftlichen Treffpunkts. Es ermöglicht Veranstaltungen, die zusätzliche Übernachtungen, Gastronomieumsätze und internationale Kontakte nach Zürich bringen.
Zusammen mit der Tonhalle bildet es einen der wichtigsten Veranstaltungsorte der Stadt. Die Kombination eines modernen Kongresszentrums mit einem international bekannten Konzertsaal ist innerhalb der Schweiz aussergewöhnlich.
Architektonisch steht das Gebäude für den Übergang zwischen der historistischen Stadtkultur des 19. Jahrhunderts und der modernen Architektur der Zwischenkriegszeit. Die Instandsetzung des 21. Jahrhunderts führte dieses Prinzip weiter, indem sie ältere und jüngere Bauteile bewahrte und zugleich neue Nutzungen ermöglichte.
Die öffentlichen Terrassen, das Restaurant und die Lage am See tragen dazu bei, dass das Gebäude nicht ausschliesslich während geschlossener Kongresse und Konzerte genutzt wird. Es ist zugleich Teil des städtischen Lebens am unteren Zürichseebecken.
Siehe auch
- Tonhalle Zürich
- Tonhalle-Orchester Zürich
- Enge (Zürich)
- Schweizerische Landesausstellung 1939
- General-Guisan-Quai
- Zürichsee
- Kongresstourismus in der Schweiz
- Liste der Kulturgüter in Zürich
- Haefeli Moser Steiger
Literatur
- Kantonale Denkmalpflege Zürich: Kongresshaus und Tonhalle: Weiterbauen am Zeitzeugen. Zürich 2021.
- Stadt Zürich, Amt für Hochbauten: Kongresshaus und Tonhalle. Baudokumentation. Zürich 2021.
- Stadt Zürich: Auslegeordnung Kongresshaus Zürich. Zürich 2015.
- Kongresshaus-Stiftung Zürich: Instandsetzung und Umbau Kongresshaus und Tonhalle. Zürich 2021.
Weblinks
- Offizielle Website des Kongresshauses Zürich
- Projektdokumentation der Stadt Zürich
- Dokumentation der kantonalen Denkmalpflege
- Website des Tonhalle-Orchesters Zürich
- Baudokumentation als PDF
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Stadt Zürich: Instandsetzung Kongresshaus und Tonhalle, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Kongresshaus Zürich: Unsere Räume, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Auslegeordnung Kongresshaus Zürich, 2015, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Stadt Zürich: Kongresshaus und Tonhalle in die Zukunft führen, 16. September 2015, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ 5,0 5,1 Stadt Zürich: Trägerstrategie Kongresshaus-Stiftung Zürich 2024–2027, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 Stadt Zürich: Statuten der Kongresshaus-Stiftung Zürich, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich, Amt für Hochbauten: Kongresshaus und Tonhalle – Baudokumentation, Zürich 2021, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Eröffnung Kongresshaus und Tonhalle Zürich verschoben, 23. April 2020, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Kongresshaus Zürich: Gartensaaltrakt, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ 10,0 10,1 Kongresshaus Zürich: Organisation, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Eigentümerstrategie Kongresshaus Zürich AG 2023–2026, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Auswirkungen der Corona-Pandemie: Darlehen an Kongresshaus Zürich AG als Überbrückungsfinanzierung, 9. März 2022, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Betrieb von Kongresshaus und Tonhalle langfristig sichern, Mai 2026, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Kulturgüterschutz – A-Objekte im Kanton Zürich, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ 15,0 15,1 Kongresshaus Zürich: Nachhaltigkeit und Qualität, abgerufen am 2. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Kongresshaus Zürich